95 Prozent für Philipp Rösler,Wahl zum FDP-Parteichef
Wie tickt er, der neue FDP-Parteichef? Jung ist er, seine Familiengeschichte nicht gerade "typisch deutsch", auf Widerstand in der Koalition reagierte er gelassen. "Der Bambus wiegt sich im Wind", entgegnete Rösler selbstironisch auf Attacken. Reicht das, um die FDP aus der Krise zu führen?
Von Barbara Kostolnik, BR, ARD-Hauptstadtstudio
Die Vorbehalte begleiten Philipp Rösler schon seit seinen ersten Tagen im politischen Berlin: zu jung, zu schwach auf der Brust. Kann das Bürschchen das denn überhaupt?, munkelten vorsichtige Zweifler an der Kompetenz des damals neuen Gesundheitsministers. Zumal bekannt war, dass Rösler sich den Posten in etwa so sehr gewünscht hatte wie eine Torte im Gesicht.
[Bildunterschrift: Alle Augen richten sich auf ihn: Philipp Rösler ]
Rösler aber hatte sich entschieden. Er trat, freundlich lächelnd, wie es schon seine Vorgängerin getan hatte, sein Amt im feindlichen - weil jahrelang SPD-sozialisierten - Gesundheitsministerium an. Er gelte als pflegeleicht, so seine ersten Worte im halligen Foyer: "Bei mir gilt die Kraft der Argumente. Diskussion ist die Mutter aller Dinge. Das wird auch in Zukunft so sein beim schwierigen Feld Gesundheitspolitik."
Eine scheinbar unlösbare Aufgabe
Bisher kann man sagen: Er hat sich wacker geschlagen. Seine sympathisch-offene Art hat ihm im erst sehr argwöhnischen Ministerium so manche Tür dann doch geöffnet. Und die Beliebtheitswerte des Gesundheitsministers hielten sich im üblichen, wenn auch keinesfalls positiven, Rahmen. Wenn Guido Westerwelle wirklich vorgehabt hatte, seinen potentiellen Konkurrenten und Rivalen Rösler kalt zu stellen, indem er ihm eine scheinbar unlösbare Aufgabe zuschob, dann hat sich der Noch-Vorsitzende der FDP getäuscht.
Denn sein designierter Nachfolger ließ sich weder von der geballten Gesundheitslobby noch von einem sperrigen Koalitionspartner namens CSU aus der Fassung bringen. Selbst als ihm aus dem bayerischen Süden bei der Umgestaltung des Gesundheitswesens und der Einführung der kleinen Kopfpauschale heftiger Gegenwind entgegen blies, blieb er äußerlich gelassen: "Der Bambus wiegt sich im Wind und biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht."
Ein "Instinktpolitiker" ist er nicht
Der Bambus als Bild ist dabei von Rösler selbstironisch-bewusst gewählt worden. Bambus nämlich ist eines der härtesten Hölzer der Welt, auch wenn er auf den ersten Blick überhaupt nicht so aussieht. Es ist leicht, Rösler zu unterschätzen, wie er so da steht, mit seinem Faible für Lakritz, Udo Jürgens und Bauchrednerei. Der Bauchredner Rösler ist allerdings schlau genug, nicht ausschließlich auf sein Bauchgefühl zu setzen. Ein Instinktpolitiker ist er ohnehin nicht, jedoch deutlich offensiver, leutseliger und zugänglicher als Westerwelle, den die langen Jahre in der Politik misstrauisch und übellaunig gemacht haben. Harte Worte, wie sie Westerwelle gerne und gezielt heraus rutschten, wird man von Rösler nicht hören.
Kleine Jungs, große Aufgaben
[Bildunterschrift: Die "Boy Group" der FDP: Rösler, Lindner, Bahr ]
Aber reichen Höflichkeit, Vorsicht und Schläue aus, eine Partei zu führen, die sich orientierungslos im freien Fall befindet? Natürlich hat der "Bambus" Rösler (38) seinen Generalsekretär Christian "Bambi" Lindner (32) und seinen ehemaligen Gesundheitsstaatssekretär Daniel Bahr (34) zur Seite - der ihm nun ins Ministeramt nachfolgte, während er Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister beerbte.
Doch die inzwischen von vielen aufgrund des Alters so genannte "Boy Group" allein kann die schwankende Partei nicht radikal neu aus- und aufrichten. Sie brauchen die Altliberalen vom Schlag einer Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Diese Altliberalen wirken als Kitt zwischen alt und jung und auch als Kitt zwischen Wirtschaftsfreunden und Sozialliberalen. Wohl auch das ein Grund dafür, Brüderle (65) zum Fraktionschef im Deutschen Bundestag zu machen.
