Bedeuten viele Muskeln automatisch gleich viel Kraft?
Bedeuten viele Muskeln automatisch gleich viel Kraft? Oder kommt es bei Kraft mehr auf Technik an, statt einer großen Muskelmasse? Den Mythos vom aufgeblasenen Muskelprotz, der wenig Power in den Armen hat, als der optische Eindruck vermuten lässt, kennen wir alle. Was ist da dran?
Um der Frage auf den Grund zu gehen, folgt eingangs ein bisschen Theorie.
Die Muskeln setzen sich aus vielen kleinen Fasern zusammen, die sich zusammenziehen, wenn die Muskulatur anspannt wird. Auf diese Weise entstehen Bewegungen. Den Befehl zur Kontraktion sendet das Nervensystem an die Muskeln. Dabei werden aber nur so viele Muskelfasern rekrutiert, wie nötig sind, einen bestimmten Widerstand zu bewältigen. Ein Teil der Muskelfasern muss arbeiten, der andere Teil hat Pause. Je größer der Widerstand ist, bspw. beim Stemmen einer Hantel während des Trainings, desto mehr Fasern werden dazugeschaltet.
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Rotation der Muskelfasern
Die Fasern im Ruhezustand bleiben aber nicht lange inaktiv. Sie bilden vielmehr eine Reserve. Schließlich ermüden Muskelfasern sehr schnell. Und sobald sie erschöpft sind, werden sie vom Nervensystem abgeschaltet und eine bis dahin inaktive Muskelfaser übernimmt die Arbeit. Ein perfekt funktionierendes Rotationsprinzip.
Geschützte Kraftreserven
Allerdings können nicht alle Muskelfasern gleichzeitig aktiviert werden. Untrainierte können in etwas 70 Prozent ihrer Kraft tatsächlich nutzen. Die übrigen 30 Prozent sind autonomisch geschützt und stehen lediglich in lebensbedrohlichen Situationen zur Verfügung, in denen man sprichwörtlich ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Willkürlich stehen diese Kraftreserven nicht zur Verfügung.
Durch Krafttraining kann die Schwelle der genutzten Kraft verschoben werden. Spitzenathleten sind etwa in der Lage, bis zu 95 Prozent ihrer Kraft bewusst einzusetzen. Denn durch das Krafttraining werden gleichzeitig mehr Muskelfasern aktiviert, weil das Nervensystem effektiver arbeitet.