Kachelmann – das Urteil in der Tagesschau
Nach dem Urteil könnten wir die neue K-Frage (schuldig oder unschuldig) endlich hinter uns haben. Wenn keiner der Prozessbeteiligten Revision einlegt, ist erstmal Schluss mit dem Medien-Hype um Kachelmann. Anlass für uns zu bilanzieren, ob wir bei der Tagesschau-Berichterstattung mit unserer Marschrichtung richtig gelegen haben.
In fast alllen Berichten, die ich heute gelesen, gehört oder gesehen habe, ist ja sehr ausführlich die Rolle der Medien im Prozess beleuchtet worden. Hauptkritikpunkt dabei: Journalisten hätten ihre Rolle verlassen und sehr früh im Prozess Partei für oder gegen Kachelmann ergriffen und damit den Prozess beeinflusst. Die Tageschau hat sich bewusst zurückgehalten. Wir haben den Fall erst bei Anklageerhebung aufgegriffen, dann den Prozessauftakt und das Urteil als großen Reporterbericht gemacht, die Plädoyers waren gediegene Wortmeldungen. C’est tout. Keine Frage, dieser Prozess war ein Nachrichtenthema. Denn abgesehen vom hohen Gesprächswert des Falls, hat die Diskussion über den Umgang der Justiz mit Fällen sexueller Gewalt längst den Tellerrand des Mannheimer Gerichts überschritten. Aber mehr Berichterstattung musste aus meiner Sicht nicht sein.
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Ich glaube (Achtung: Selbstbeweihräucherung!), dass wir mit der Zurückhaltung ganz gut gefahren sind. Habe eben bei “Menschen bei Maischberger” den früheren ARD-Rechtsexperten Karl-Dieter Möller gesehen. Obwohl sich dieser hochgeschätzte Kollege seit kurzem im Ruhestand befindet, hat er sich gerade heftig für die Tagesschau ins Zeug gelegt und unsere Linie verteidigt. Tatsächlich war es nicht immer leicht, diese Linie durchzuhalten. Zu Anfang haben wir von mancher Seite ordentlich auf die Schnauze gekriegt, weil wir angeblich den ARD-Wettermann in Schutz nehmen wollten. Das muss man dann auch mal aushalten. Wie haben Sie eigentlich unsere Berichterstattung gesehen - angemessen, zu wenig, zu viel?
Fremdgehen: Unsichere Männer sind eher untreu (1)

