Deutsche reagieren nüchtern auf Tod Bin Ladens
Der Tod von Al-Kaida-Führer Bin Laden löst bei den wenigsten Deutschen Jubel aus. Das ist das Ergebnis des neuesten ARD-DeutschlandTrends. Zwar befürchtet nun eine Mehrheit, dass die Gefahr von Anschlägen nun gestiegen ist. Eine Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze stößt dennoch auf Skepsis.
Von Jörg Schönenborn, WDR
Der Tod von Osama Bin Laden ist das Ereignis, das die Menschen in dieser Woche am meisten beschäftigt hat. Und die Frage, ob man, wie in Washington und New York geschehen, seinen Tod bejubeln darf, ob man sich, wie Kanzlerin Merkel in einem ersten Statement, darüber freuen darf, ist wohl die meistdiskutierte. Der ARD-DeutschlandTrend gibt eine relativ klare Antwort: Nur 28 Prozent der Deutschen sehen in der Tötung des Topterroristen einen "Grund zur Freude", 64 Prozent sehen keinen Grund sich zu freuen.
Etwas knapper sind die Verhältnisse, wenn es um die Frage geht, ob die amerikanische Regierung das Recht hatte, Bin Laden zu töten, und ob sie nicht zumindest den Versuch hätte machen müssen, ihn festzunehmen und ihn vor Gericht zu stellen. Immerhin 42 Prozent halten den Kurs von Präsident Obama für legitim und sind der Ansicht, die USA hatten das Recht, Bin Laden zu töten. Eine Mehrheit allerdings von 52 Prozent vertritt die Ansicht, dass die Sondereinheit sich hätte bemühen sollen, Osama Bin Laden festzunehmen. Vor allem die jüngeren Befragten vertreten deutlich diese Position.
[Bildunterschrift: Angela Merkel: Pressekonferenz nach der Tötung Osama Bin Ladens ]
US-Präsident Barack Obama ist in Deutschland immer noch ein hochgeachteter populärer Politiker, aber sein Handeln wird von einer Mehrheit der Deutschen missbilligt. Und wie schon in früheren Jahren ist es eine Frage von Leben und Tod, von Krieg und Frieden, in der die deutsche und die amerikanische Öffentlichkeit erkennbar unterschiedlich ticken. Es gibt bei den Befragten zwar erkennbare Unterschiede je nach politischer Position. So sehen die Anhänger der drei Oppositionsparteien am wenigsten Grund sich zu freuen angesichts der Ereignisse in der Nacht zum Montag. Aber selbst unter den Anhängern von Union und FDP sind es jeweils nur knapp die Hälfte der Befragten, die persönlich nachempfinden können, was Angela Merkel in einem ersten Statement am Montag formuliert hatte und später durch ihren Sprecher korrigieren ließ.







